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Und wenn der Tag sich neigt
und die Schritte langsamer werden, dann frage dich nicht, ob du alles richtig gemacht hast. Frage dich nur, ob du dich bewegt hast. Ob dein Herz nicht ganz still geworden ist unter zu vielen Pflichten. Ob irgendwo ein kleines Schwingen war, ein kaum sichtbares Kreisen, ein Ja zum Ungewissen. Es gibt in dir einen Raum, der älter ist als deine Zweifel. Einen Raum, in dem kein Plan hängt wie ein Kalender an der Wand. Dort atmet etwas. Langsam. Weise. Bevor du beginnst, werde still. Nicht, um nichts zu fühlen, sondern um alles zu hören. Tanzen beginnt nicht mit einem Schritt. Es beginnt mit einem Lauschen. Lausche dem Puls unter deiner Haut. Lausche dem Zittern in deinen Fragen. Lausche der Sehnsucht, die sich nicht mit Sicherheit zufriedengibt. Das Leben ist kein Exerzierfeld. Es ist ein Kreis. Und du stehst nicht am Rand. Du stehst in der Mitte. Vielleicht glaubst du, du müsstest wissen, wohin. Doch der Kreis kennt kein Vorne und kein Hinten. Er kennt nur Bewegung. Wenn du tanzt, gibst du dich nicht auf. Du gibst dich hinein. In einen größeren Rhythmus. Manche nennen ihn Schicksal. Manche nennen ihn göttliche Führung. Manche nennen ihn einfach Vertrauen. Im Tanz legst du die Rüstung ab. Nicht, weil es ungefährlich ist, sondern weil es lebendig ist. Tanzen heißt: dem Unsichtbaren die Hand zu reichen. Heißt: den nächsten Schritt nicht zu erzwingen, sondern ihn empfangen. Heißt: sich führen zu lassen von einer Weisheit, die größer ist als die Angst, kleiner zu werden. Schließe die Augen. Spüre deine Füße auf dem Boden. Atme ein. Atme aus. Und dann – erlaube dir eine innere Bewegung. Ein leises Ja. Ein kleines Kreisen im Herzen. Ein Vertrauen ohne Beweis. Vielleicht ist das Leben selbst ein Ritual. Ein heiliger Kreis aus Anfang und Ende. Und du bist nicht hier, um ihn abzumessen – sondern um ihn zu durchschreiten. Oder besser: um ihn zu tanzen. Comments are closed.
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Inés Witt
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