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Manchmal liegt die Magie des Lebens in wenigen Worten.
In Sätzen, die nichts erklären wollen und doch etwas in uns zum Klingen bringen. Und oft sind es gerade diese Worte, die uns am tiefsten berühren. So ist es auch mit den Zeilen von Hilde Domin: „Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten.“ Sie stehen einfach da. Still. Fast schutzlos. Und doch öffnen sie einen Raum. Eine Ahnung von etwas, das wir nicht alleine erschaffen können und das uns doch manchmal findet. Vielleicht sind Wunder keine Ereignisse. Vielleicht sind sie eher wie ein leises Verschieben der Wirklichkeit. Ein Moment, der sich ausdehnt, ohne dass wir ihn gerufen haben. Ein Blick in der Dämmerung, der uns glücklich macht und gleich wieder vergeht. Ein Gefühl, das für einen Atemzug lang alles an seinen Platz rückt. Und dann ist es wieder still. Gerade darin liegt die Zerbrechlichkeit dieser Wunder. Sie erscheinen nicht im grellen Licht. Sie zeigen sich eher am Rand der Dinge. Dort, wo wir langsamer werden. Wahrscheinlich sind sie wie die Tiere der Nacht. Scheu. Wachsam. Nur für einen Augenblick sichtbar. Sie kommen nicht näher, wenn wir nach ihnen greifen. Aber manchmal, wenn wir still genug geworden sind, wenn etwas in uns sich geöffnet hat ohne Forderung, ohne Erwartung, dann geschieht es. Fast wie ein Einverständnis zwischen uns und dem Leben. Eine leise Berührung. Und eventuell ist genau darin etwas, was wir längst verlernt haben: Diese Art von Offenheit. Diese Bereitschaft, da zu sein, ohne festzuhalten. Denn eine offene Hand weiß nichts von Sicherheit. Sie kennt keine Garantie. Kein Versprechen. In ihr liegt eine Kraft, die nicht aus Kontrolle entsteht, sondern aus Vertrauen. Ein stilles Weitergehen, auch durch die dunkleren Stunden. Ein Nicht-Verhärten an den Stellen, an denen das Leben uns müde macht. Vermutlich ist es genau das, was uns trägt, ohne dass wir es benennen können. Etwas in uns, das nicht laut ist und doch nicht aufhört. Das nicht kämpft, sondern bleibt. Und in diesem Bleiben liegt eine Form von Demut. Die Erkenntnis, dass das Wertvollste nicht festgehalten werden kann. Dass Glück sich entzieht, sobald wir es sichern wollen. Und dass das Leben uns nichts schuldet und uns dennoch immer wieder beschenkt: In flüchtigen Augenblicken. In Begegnungen, die nur für einen Herzschlag lang bestehen. In einem Gefühl von Nähe, das gerade deshalb leuchtet, weil es nicht bleibt. Möglicherweise besteht die Kunst nicht darin, diese Momente zu bewahren. Sondern darin, ihnen Raum zu geben, während sie da sind. Wie man einem scheuen Wesen Raum gibt. Ohne es zu bedrängen. Ohne es zu benennen. Nur in der Gewissheit, dass es da war. Und am Ende bleibt dieses Bild: Eine Hand, die sich öffnet. Ein Atemzug, der tiefer wird. Ein ruhiger Raum, in dem nichts geschehen muss und doch alles möglich ist. Und irgendwo darin, fast unhörbar, ein Flügelschlag. Das Wunder setzt sich nicht immer nieder. Aber manchmal. Und genau das ist des Glückes genug. Comments are closed.
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Inés Witt
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