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Ich saß mit meinem Mann am Küchentisch,
Kerzenlicht, Krümel, kalter Kaffee und sagte: „Ich wusste gar nicht, dass Erfolg so scheiße ist.“ Nicht dass ich selbst mega erfolgreich bin. Darum geht es nicht. Ich beobachte nur. Ich sehe, was Erfolg mit Menschen macht. Ich sehe, wie leise er kommen kann und wie laut er etwas nimmt. Ja, ich wusste gar nicht, dass Erfolg so scheiße ist. Nicht der Traum. Nicht das Brennen. Nicht diese Nächte, in denen Musik nicht geschrieben wird, sondern sich ihren Weg durch dich bahnt. Nein, darum geht es nicht. Es geht um den Erfolg. Dieses Wort mit Goldrand. Dieses „Du hast es geschafft“-Wort. Dieses Wort, das klingt wie Ankommen und sich manchmal anfühlt wie Verschwinden. Früher war da dieser Junge von nebenan. Drei Akkorde. Zu viel Gefühl. Er sang nicht perfekt. Aber echt. Seine Stimme hat nicht performt. Sie hat geblutet. Da war diese Frau, die ihre Seele auf Bühnen legte wie andere Leute Tischdecken. Mit Flecken. Mit Rissen. Mit Wahrheit. Und dann kommt er. Der Manager. Er findet dich nicht. Er riecht dich. Wie eine reife Zitrone in einem Meer aus Plastikobst. „Du bist besonders“, sagt er. „Du bist anders“, sagt er. „Bleib genau so“, sagt er und meint: „Aber bitte kompatibel.“ Er scannt die Welt nach Lücken, in die du perfekt hineinpasst. Nicht als Mensch. Als Marke. Wo generierst du Reichweite? Wo Umsatz? Wo maximale Verwertbarkeit? Und plötzlich bist du kein Herz mehr. Du bist ein Hebel. Die Kanten werden rund geschliffen. Die Texte ein bisschen allgemeiner. Der Schmerz ein bisschen gefälliger. Die Stille ein bisschen kürzer. Und das Heimtückische? Es fühlt sich gut an. Es fühlt sich so verdammt gut an. Endlich gesehen werden. Endlich Applaus. Endlich dieses „Du bist relevant“. Dopamin ist ein Meister der Tarnung. Erfolg schmeckt süß, bevor er dich verschluckt. Du merkst gar nicht, wie du dich verlierst. Du denkst, du wächst. Aber irgendetwas wird leiser. Irgendetwas, das vorher unersetzlich war. Und vielleicht ist das die eigentliche Frage: Willst du Millionen, die dich nur streamen? Oder wenige, die dich wirklich fühlen? Willst du einen Algorithmus voller Klicks oder einen Raum voller echter Augen? Augen, die dich nicht konsumieren, sondern die dir begegnen. Augen, in denen du dich wiedererkennst und nicht nur dein Marketing. Vielleicht ist wahrer Erfolg nicht die größte Reichweite. Vielleicht ist es der Moment, in dem jemand nach einem Lied zu dir sagt: „Das war ich. Du hast mich gerade verstanden.“ Vielleicht ist Erfolg nicht laut. Vielleicht ist er intim. Und ich glaube nicht mehr, dass Erfolg an sich scheiße ist. Erfolg kann wunderschön sein. Aber nur, wenn er dir gehört und nicht umgekehrt. Wenn du ihn formst und nicht er dich. Sonst ist er kein Triumph. Sondern ein leiser Verlust mit Goldrahmen. Und am Ende des Tages am Küchentisch sitzen und sagen können: „Ich bin noch ich.“ Das wäre für mich Erfolg. Ja, das wäre er. Für mich. Am 3. Juni erscheint ein neuer Beitrag. Comments are closed.
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Inés Witt
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