Inés Witt
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 Mut  zur  Kreativität
​​

Dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten

29/4/2026

 
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Manchmal liegt die Magie des Lebens in wenigen Worten.
 
In Sätzen, die nichts erklären wollen
und doch etwas in uns zum Klingen bringen.
 
Und oft sind es gerade diese Worte,
die uns am tiefsten berühren.
 
So ist es auch mit den Zeilen von Hilde Domin:
​
„Nicht müde werden,
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.“
 

Sie stehen einfach da.
Still.
Fast schutzlos.
 
Und doch öffnen sie einen Raum.
Eine Ahnung von etwas,
das wir nicht alleine erschaffen können
und das uns doch manchmal findet.
 
Vielleicht sind Wunder keine Ereignisse.
Vielleicht sind sie eher wie ein leises Verschieben der Wirklichkeit.
 
Ein Moment, der sich ausdehnt, ohne dass wir ihn gerufen haben.
Ein Blick in der Dämmerung, der uns glücklich macht und gleich wieder vergeht.
Ein Gefühl, das für einen Atemzug lang alles an seinen Platz rückt.
 
Und dann ist es wieder still.
​
Gerade darin liegt die Zerbrechlichkeit dieser Wunder.
Sie erscheinen nicht im grellen Licht.
 
Sie zeigen sich eher am Rand der Dinge.
Dort, wo wir langsamer werden.
 
Wahrscheinlich sind sie wie die Tiere der Nacht.
Scheu.
Wachsam.
Nur für einen Augenblick sichtbar.
 
Sie kommen nicht näher,
wenn wir nach ihnen greifen.
 
Aber manchmal, wenn wir still genug geworden sind,
wenn etwas in uns sich geöffnet hat
ohne Forderung, ohne Erwartung,
dann geschieht es.
 
Fast wie ein Einverständnis zwischen uns und dem Leben.
Eine leise Berührung.
 
Und eventuell ist genau darin etwas,
was wir längst verlernt haben:
Diese Art von Offenheit.
Diese Bereitschaft, da zu sein, ohne festzuhalten.
Denn eine offene Hand weiß nichts von Sicherheit.
Sie kennt keine Garantie.
Kein Versprechen.
 
In ihr liegt eine Kraft, die nicht aus Kontrolle entsteht,
sondern aus Vertrauen.
Ein stilles Weitergehen, auch durch die dunkleren Stunden.
Ein Nicht-Verhärten an den Stellen, an denen das Leben uns müde macht.
 
Vermutlich ist es genau das, was uns trägt,
ohne dass wir es benennen können.
 
Etwas in uns, das nicht laut ist und doch nicht aufhört.
Das nicht kämpft, sondern bleibt.
 
Und in diesem Bleiben liegt eine Form von Demut.
Die Erkenntnis, dass das Wertvollste nicht festgehalten werden kann.
Dass Glück sich entzieht, sobald wir es sichern wollen.
Und dass das Leben uns nichts schuldet
und uns dennoch immer wieder beschenkt:
 
In flüchtigen Augenblicken.
In Begegnungen, die nur für einen Herzschlag lang bestehen.
In einem Gefühl von Nähe, das gerade deshalb leuchtet,
weil es nicht bleibt.
 
Möglicherweise besteht die Kunst nicht darin, diese Momente zu bewahren.
Sondern darin, ihnen Raum zu geben, während sie da sind.
 
Wie man einem scheuen Wesen Raum gibt.
Ohne es zu bedrängen.
Ohne es zu benennen.
Nur in der Gewissheit, dass es da war.
 
Und am Ende bleibt dieses Bild:
Eine Hand, die sich öffnet.
Ein Atemzug, der tiefer wird.
Ein ruhiger Raum, in dem nichts geschehen muss
und doch alles möglich ist.
Und irgendwo darin,
fast unhörbar,
ein Flügelschlag.
 
Das Wunder setzt sich nicht immer nieder.
Aber manchmal.
Und genau das ist des Glückes genug.


Was wäre, wenn es klappt?

22/4/2026

 
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Es gibt Gedanken, die kommen ohne Glanz und Gloria.
Sie treten in den Raum wie ein leiser Windhauch, 
der kaum merklich eine Tür bewegt.

Einer dieser Gedanken lautet:
Was wäre, wenn es klappt?

Eine seltsame Frage eigentlich.
Denn wir sind es gewohnt, anders zu fragen.

Was ist, wenn ich scheitere?
Was ist, wenn ich mich irre?
Was ist, wenn ich mich überschätze?

Diese Fragen tragen viele Menschen 
wie kleine Gewichte in den Taschen ihres Lebens.
Sie halten uns vorsichtig fest.
Manchmal auch zurück.

Doch hin und wieder geschieht etwas Merkwürdiges.
Mitten zwischen all diesen Zweifeln taucht 
eine andere Möglichkeit auf.

Was wäre, wenn es gelingt?

Vielleicht ist es genau diese Frage, 
die wir am seltensten zulassen.
Denn sie öffnet eine Tür, 
hinter der etwas wartet,
das größer ist als unsere gewohnte Rolle.

Nicht unser Scheitern macht uns manchmal Angst.
Sondern unser Licht.

Die amerikanische Autorin Marianne Williamson
hat diesem Gedanken Worte gegeben -
in ihrem Buch "Return to Love",
Worte, die geblieben sind.

Später wurden sie in die Welt getragen,
als Nelson Mandela sie 1994 in seiner
Antrittsrede zitierte:

„Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind.
Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich stark sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns: Wer sind wir, dass wir leuchtend, hinreißend,
begabt sein dürfen?"

Vermutlich liegt darin eine besondere Wahrheit über das Menschsein.

Dass wir nicht nur lernen müssen zu fallen,
sondern auch zu stehen.

Nicht nur mit unserer Verletzlichkeit,
sondern auch mit unserer Kraft.

Denn Licht ist nichts Großartiges im Sinne von Größe.
Es ist etwas Natürliches.

Ein Licht kann ein Gedanke sein.
Ein Lied.
Ein Text.
Ein mutiger Schritt.
Oder einfach die Entscheidung, 
das eigene Leben ein wenig wahrhaftiger zu leben.

Und manchmal beginnt alles mit einer einzigen und
stillen Verschiebung der Frage.

Nicht mehr nur:
Was ist, wenn es schiefgeht?

Sondern vielleicht auch:
Was, wenn deine Idee tatsächlich Menschen berührt?
Was, wenn dein Text jemandem Mut macht?
Was, wenn dein Lied jemanden durch einen schweren Abend trägt?
Was, wenn dein Schritt andere inspiriert, ebenfalls einen zu wagen?

Vielleicht sind die Dinge, 
die wir in die Welt geben, 
kleiner als wir glauben.
Oder größer.

Wir wissen es nicht.

Und so bleibt am Ende nur diese eine Frage,
die man wie einen kleinen Stern 
in der Tasche mit sich tragen kann:

Was wäre, wenn es klappt?

Wie ein Licht,
das nicht plötzlich aufflammt,
sondern langsam heller wird.

Und vielleicht merkt man eines Tages,
dass es längst da ist:
​
Das Licht.

Ein innerer Tanz

15/4/2026

 
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Und wenn der Tag sich neigt
und die Schritte langsamer werden,
dann frage dich nicht,
ob du alles richtig gemacht hast.

Frage dich nur,
ob du dich bewegt hast.

Ob dein Herz nicht ganz still geworden ist
unter zu vielen Pflichten.
Ob irgendwo ein kleines Schwingen war,
ein kaum sichtbares Kreisen,
ein Ja zum Ungewissen.

Es gibt in dir einen Raum,
der älter ist als deine Zweifel.
Einen Raum,
in dem kein Plan hängt wie ein Kalender an der Wand.
Dort atmet etwas.
Langsam.
Weise.

Bevor du beginnst,
werde still.

Nicht, um nichts zu fühlen,
sondern um alles zu hören.

Tanzen beginnt nicht mit einem Schritt.
Es beginnt mit einem Lauschen.

Lausche dem Puls unter deiner Haut.
Lausche dem Zittern in deinen Fragen.
Lausche der Sehnsucht, die sich nicht mit Sicherheit zufriedengibt.

Das Leben ist kein Exerzierfeld.
Es ist ein Kreis.
Und du stehst nicht am Rand.
Du stehst in der Mitte.

Vielleicht glaubst du, du müsstest wissen, wohin.
Doch der Kreis kennt kein Vorne und kein Hinten.
Er kennt nur Bewegung.

Wenn du tanzt, gibst du dich nicht auf.
Du gibst dich hinein.
In einen größeren Rhythmus.

Manche nennen ihn Schicksal.
Manche nennen ihn göttliche Führung.
Manche nennen ihn einfach Vertrauen.

Im Tanz legst du die Rüstung ab.
Nicht, weil es ungefährlich ist,
sondern weil es lebendig ist.

Tanzen heißt:
dem Unsichtbaren die Hand zu reichen.

Heißt:
den nächsten Schritt nicht zu erzwingen,
sondern ihn empfangen.

Heißt:
sich führen zu lassen
von einer Weisheit,
die größer ist als die Angst, kleiner zu werden.

Schließe die Augen.
Spüre deine Füße auf dem Boden.
Atme ein.
Atme aus.

Und dann –
erlaube dir eine innere Bewegung.

Ein leises Ja.
Ein kleines Kreisen im Herzen.
Ein Vertrauen ohne Beweis.

Vielleicht ist das Leben selbst ein Ritual.
Ein heiliger Kreis aus Anfang und Ende.
Und du bist nicht hier, um ihn abzumessen –
sondern um ihn zu durchschreiten.
​
Oder besser:
um ihn zu tanzen.

Tanze, solange der Boden dich trägt

8/4/2026

 
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Es gibt Menschen, die gehen durch ihr Leben 
wie durch einen langen Flur.
Geradeaus. 
Zielgerichtet.
Mit einem Plan in der Hand 
und die Stirn in Falten gelegt.

Und es gibt andere, 
oder vielleicht sind es dieselben, nur zu anderen Zeiten, 
die spüren plötzlich, dass der Boden unter ihren Füßen 
nicht nur fest ist, sondern schwingt.
Dass Schritte nicht nur Mittel zum Zweck sind, 
sondern Ausdruck.
Antwort.
Resonanz.

Vielleicht ist genau das Tanzen.

Nicht als Technik.
Nicht als Choreografie.
Sondern als Haltung.

Tanzen heißt, dem Moment mehr zu trauen als der Angst.
Es heißt, nicht jeden Schritt vorher ausmessen zu müssen.
Es heißt, die Bewegung entstehen zu lassen, 
während man sich schon bewegt.

Wir sind es gewohnt, unser Leben zu strukturieren.
Karrierepfade. 
Fünfjahrespläne. 
Sicherheitsnetze.
Und all das hat seinen Platz.

Doch manchmal wird aus der Struktur eine Rüstung.
Aus der Vorsicht eine Starre.

Tanzen hingegen entsteht von innen.
Es ist ein Dialog zwischen dir und etwas Größerem.
Zwischen deinem Atem und der unsichtbaren Musik, 
die dich umgibt.

Manche nennen dieses Größere Gott.
Andere nennen es Intuition.
Wieder andere einfach Leben.

Vielleicht hast du körperlich lange nicht mehr getanzt.
Vielleicht erinnerst du dich an einen Abend, 
an Musik, 
an das Lachen, 
an dieses Vergessen der Zeit.

Aber es geht um mehr.

Tanzt du, wenn eine unerwartete Wendung kommt?
Oder versteifst du dich?

Tanzt du, wenn eine Beziehung sich verändert?
Oder klammerst du dich an das Alte?

Tanzt du, wenn das Leben dich einlädt, neu zu beginnen?
Oder bestehst du auf dem Plan von gestern?

„O Mensch, lerne tanzen, 
sonst wissen die Engel im Himmel 
mit dir nichts anzufangen.“ 
(Augustinus von Hippo)

Ich mag diesen Gedanken.
Nicht, weil Engel Buch führen.
Sondern weil er daran erinnert, 
dass wir bewegliche Wesen sind.
Dass wir nicht nur funktionieren, 
sondern schwingen.

Vielleicht ist das ganze Dasein 
ein großer Tanz zwischen Werden und Vergehen.
Zwischen Nähe und Loslassen.
Zwischen Licht und Schatten.

Wer tanzt, fällt auch.
Vertritt sich.
Verliert den Rhythmus.

Doch wer nie tanzt, verpasst die Musik.

Ganzheitlich leben heißt nicht, immer leicht zu sein.
Es heißt, auch mit der Schwere in Bewegung zu bleiben.
Auch mit der Angst einen kleinen Schritt zu wagen.
Auch mit Unsicherheit einen Kreis zu drehen.

Es heißt, dem Körper zuzuhören.
Dem Herzen.
Dem leisen Impuls, der sagt:
„Vertrau.“

Tanzen im Leben heißt nicht, alles loszulassen.
Es heißt, sich führen zu lassen von einer Weisheit, 
die tiefer reicht als dein Zweifel.

Und vielleicht, ganz vielleicht,
stehen die Engel nicht irgendwo oben,
sondern genau dort,
wo du den Mut findest,
dich zu bewegen.

Also heute, nur ein kleines Stück.
Lockere deinen Gang.
Lass die Schultern sinken.
Hör hin, ob irgendwo Musik ist.

Und wenn nicht,
dann erschaffe sie.

Laut oder leise.
Langsam oder schnell.
Egal.

Lockere deinen Gang.
Lass die Schultern sinken…
​

Gönn' dir die Stille

1/4/2026

 
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​Einatmen.
Ganz unauffällig.
Ausatmen.

Zehn Minuten.
Mehr braucht es nicht.

Zehn Minuten, in denen du dich hinsetzt und nichts von dir verlangst. 
Kein Ziel, keine Verbesserung, kein Ankommen irgendwo anders. 
Nur dieses Dasein. 
Diese stille Geste ist eine feine Form der Selbstfürsorge und heilsam, 
weil sie nichts fordert. 
Friedensstiftend, weil sie dich zurückführt, 
bevor du dich verlierst.

In der Stille zu sitzen heißt nicht, leer zu werden.
Es heißt, ganz da zu sein.

Wenn das Außen für einen Moment leiser wird, 
zieht sich das Persönliche sanft zurück. 
Die Rollen, die Geschichten, 
das ständige Sich-Beziehen auf etwas oder jemanden 
verlieren an Gewicht. 
Und in diesem Zurücktreten öffnet sich ein Raum, 
der nicht privat ist, sondern weit. 
Etwas Universelles erscheint, nicht dramatisch. 
Keine Erschütterung. 
Eher wie ein Erinnern.

In dieser Stille bist du kein Kämpfer.
Keine Biografie.
Keine Geschichte, 
die getragen oder verteidigt werden müsste.

Du bist das, was hier ist.

Nichts, was geboren wird.
Nichts, was sterben kann.
Eine Präsenz, die nicht entsteht, 
sondern immer schon da war.

Spür hin.

Vielleicht tauchen innere Bilder auf. 
Gedanken. 
Erinnerungen.
Nimm sie wahr und lass sie weiterziehen.
Wie Wolken, die nichts vom Himmel nehmen.

Oft glauben wir, wir bräuchten die Welt, 
um uns selbst zu erkennen. 
Einen Spiegel. 
Eine Reaktion. 
Eine Situation. 
Doch in der Stille geschieht etwas Unerwartetes: 
Wahrnehmung ohne Gegenüber. 
Du nimmst dich wahr, ohne dich anzuschauen. 
Du erkennst dich, ohne dich zu benennen.

Es braucht keine Umstände dafür.
Keine Geschichte.
Keinen Freund und keinen Feind.

Hier bist du frei.

Nicht, weil alles gelöst wäre, 
sondern weil du für einen Moment in der Wahrheit des Lebens selbst ruhst. 
Und aus dieser Ruhe heraus verlieren die Umstände an Macht. 
Sie verschwinden nicht unbedingt, aber sie greifen weniger tief.

Das Leben brennt weiter.
Doch dieses Brennen erleuchtet, statt zu verzehren.

Und aus dieser Klarheit heraus teilt sich etwas ganz Natürliches: 
die Liebe, die wir sind. 
Nicht als Gefühl, das kommt und geht, 
sondern als ein Grundton. 
Als sanftes Dasein ohne Absicht.

Vielleicht verändert sich dann auch unser Bild vom Leben.
Wir sind nicht mehr das Schiff, 
das von den Wellen hin- und hergeworfen wird.

Wir sind nicht das Schiff.

Wir sind das Meer.

Weit.

Tragend.
​
​Still in der Tiefe.


Hör hin.

Die Wellen des Lebens bewegen sich weiter.
Doch sie bringen uns nicht mehr aus unserer Mitte.

Wir bleiben – bei uns,
wie das Meer in sich selbst ruht,
während an seiner Oberfläche alles in Bewegung ist.

Einatmen.
Ganz unauffällig.
Ausatmen.
Und nichts weiter tun.

Möge dir die Stille immer wieder gute Räume eröffnen…

    Inés Witt
    Singer/Songwriter
    ​
    "Die Kreativität
    ​in sich zu sehen,
    ist eine Kunst -
    wer aus ihr schöpft,
    ist ein Künstler."
    Wilma Eudenbach



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