Inés Witt
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 Mut  zur  Kreativität
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Kein gerader Weg

26/3/2026

 
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Es gibt Jahre, die sich anfühlen wie ein Verhör.
Sie stellen Fragen.
Immer neue Fragen.
Keine Lösungen in Sicht.

Immer neue Fragen.
Und das Leben antwortet nicht.

Warum das?
Warum jetzt?
Warum ich?

Und dann es gibt Jahre, die fast schon beruhigt verlaufen.
Die plötzlich Zusammenhänge sichtbar machen.
Die wie ein warmer Atem im Nacken sagen: 
Siehst du? Es hatte einen Sinn.

 „Es gibt Jahre, die Fragen stellen, 
und solche, die Antworten geben.“,
so die US-Amerikanische Schriftstellerin Nora Neale Hurston.

Manche Jahre tragen eine Schwere.
Sie fordern uns heraus. 
Beziehungen zerbrechen. 
Eltern altern oder werden zu Spiegeln alter Wunden. 
Man verliert eine Arbeit, die Sicherheit versprach. 
Oder einen Ort, den man Heimat nannte. 
Man wird gezwungen, umzuziehen,
äußerlich oder innerlich.

In solchen Jahren fühlt sich das Leben nicht wie eine Erzählung an, 
sondern wie ein Rätsel.

Wir möchten verstehen – sofort.
Doch das Jahr antwortet nicht.
Es fragt nur weiter.

Warum dieser Konflikt mit meinen Eltern?
Warum diese Trennung?
Warum musste genau dieser Mensch oder ich gehen?
Warum diese Krise, die alles in Frage stellt?

Diese Jahre sind keine Fehler.
Sie sind Verdichtungen.

Sie graben tiefer. 
Sie legen frei, was lange unter der Oberfläche ruhte. 
Und während wir uns oft wünschen, 
sie mögen einfach vorbeigehen, 
formen sie uns im Stillen. 
Nicht sanft. 
Aber präzise.

Und dann, manchmal unerwartet, kommt ein anderes Jahr.
Es beginnt unscheinbar. 
Vielleicht sogar im Schatten des vorangegangenen. 
Aber es trägt eine andere Qualität. 
Es ist weiter. 
Es ist klarer.

Plötzlich verstehen wir.

Warum die Arbeit enden musste.
Weil sie nicht mehr zu uns passte.

Warum wir diesen Ort verlassen haben. 
Weil unser innerer Horizont gewachsen war.

Warum ein Hund an unserer Seite erschien.
Nicht zufällig.
Sondern als Begleiter durch genau jene Zeit, 
in der wir lernen sollten, weich zu bleiben.

Man versteht rückblickend die Kindheit.
Man sieht, was dort gefehlt hat 
und was gerade dadurch entstanden ist: 
Sensibilität. 
Stärke. 
Sehnsucht nach Tiefe.

Diese Jahre geben keine pathetischen Antworten.
Sie geben Einsicht.

Einsicht ist kein Triumph. 
Einsicht ist leiser als Triumph. 
Einsicht ist zeitlos.
Ein Segen auf dem Grund unserer Seele.

Vielleicht ist das Leben kein gerader Weg, 
sondern eher wie Atmen.
Einatmen.
Ausatmen. 

Einatmen – Fragen.
Ausatmen – Antworten.

Wir leben in einer Dualität: 
Licht und Schatten, 
Verlust und Gewinn, 
Nähe und Abstand. 

Und manchmal verdichten sich diese Bewegungen 
zu bestimmten Zeiträumen, zu Jahren, 
die eine klare Handschrift tragen.

Ein Jahr der Erschütterung.
Ein Jahr der Integration.
Ein Jahr der Trennung.
Ein Jahr des inneren Friedens.

Es ist kein Versagen, wenn wir in einem fragenden Jahr stecken.
Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn wir nicht sofort verstehen.

Manche Antworten brauchen Abstand.
Manche Einsichten reifen unsichtbar, 
bevor sie uns wirklichen inneren Frieden schenken.

Wenn du gerade in einem fragenden Jahr lebst, 
darfst du müde sein. 
Du darfst zweifeln. 
Du darfst sagen: Ich weiß nicht, warum das geschieht.

Und wenn du in einem antwortenden Jahr angekommen bist, 
darfst du staunen. 
Du darfst milder werden,
mit dir selbst und mit deiner Geschichte.

Denn irgendwann erkennt man:
Die Fragen waren nicht gegen dich gerichtet.
Sie waren für dein Werden.

Und die Antworten kommen nicht, um alles schönzureden.
Sondern um dir zu zeigen, wie weit du gegangen bist.


Es gibt Jahre, die Fragen stellen.
Und solche, die Antworten geben.

Beide gehören zu dir.
Beide sind Teil deines Rhythmus.

Und möglicherweise ist genau dieses Vertrauen,
dass alles seine Zeit hat,
die schönste Antwort von allen.

Über den Abschied von geliebten Tieren

19/3/2026

 
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Es gibt Abschiede im Leben, die uns früher begegnen, 
als wir erwartet hätten.

Und nicht alle großen Abschiede tragen ein menschliches Gesicht.
Manche schauen uns aus treuen Augen an.

Diese Abschiede begegnen uns auf leisen Pfoten, mit gefiederten Flügeln.
Diese Abschiede begegnen uns durch Tiere.

Sie treten oft leise in unser Leben. 
Tiere fragen nicht nach Vergangenheit, 
nicht nach Leistung, nicht nach Plänen. 
Sie sind einfach da. 
Tag für Tag. 
Jahr für Jahr. 
Und genau darin liegt ihre besondere Nähe zu uns,
eine Nähe, die tief ins Herz reicht, ohne sich je aufzudrängen.

Der Abschied von einem geliebten Tier 
trifft viele Menschen unvorbereitet. 
Gerade weil diese Beziehung so selbstverständlich war. 
Weil sie nicht erklärt, 
nicht verhandelt, 
nicht abgesichert werden musste. 
Diese gegenseitige Liebe hat sich im Laufe der Zeit 
zu einer selbstverständlichen Instanz entwickelt.
Einer Instanz auf einem aus purer Liebe gewebtem Fundament.

Nach dem Verlust eines Tieres sagen viele: 
Nie wieder.
Nicht aus Kälte. 
Sondern aus Schmerz.

Weil wir mit unserem Tier zu einem Herz geworden sind.
Und etwas auseinandergerissen wird,
von dem wir gar nicht wussten, wie groß und tief es ist.
Wie groß und tief es war.

Besonders der Abschied von Hunden kann überwältigend sein. 
Sie begleiten uns durch Alltag und Krisen, 
durch Jahre, manchmal durch Lebensphasen, 
die ohne sie kaum vorstellbar wären. 

Das trifft genauso zu auf Katzen, auf Vögel,
es trifft genauso zu auf alle Tiere, mit denen wir als Team, als Familie leben.
Es trifft genauso zu auf alle Tiere, die uns bedingungslos ihr Herz geschenkt haben. 
Und denen wir unser Herz schenkten.
Jeden Tag mehr.
Jedes Jahr tiefer.

Wenn sie gehen, reißt etwas auf, das größer ist als der Verlust eines Wesens. 
Es ist der Verlust eines stillen Mitwissers unseres Lebens.  
Es ist der Verlust einer emotionalen Verbindung,
für die es keine Worte gibt.


Und gerade, weil diese Verbundenheit so tief ist, 
ist der Schmerz so groß. 
So groß ist der Schmerz. 
So groß ist die Liebe.
So groß ist die Tiefe.

Manche Tiere sind nur kurz bei uns. 
Andere bleiben sehr lange. 
Sie wachsen mit uns, altern mit uns, 
werden Teil der familiären Erinnerung. 
Sie sind Zeugen dessen, wer wir waren.

Der Verlust eines Tieres zwingt uns, 
etwas anzunehmen, wovor wir uns gerne drücken:
Dass Lieben immer bedeutet, eines Tages loszulassen.

Vielleicht ist das Schwerste und zugleich Wertvollste 
an diesen Abschieden, dass sie uns vorbereiten.
Nicht im Sinne einer Abhärtung. 
Sondern im Sinne einer Erfahrung, welche uns reifen lässt.

Wir lernen.
Dass Schmerz überlebt werden kann,
Dass Trauer nicht zerstört, sondern verwandelt.
Dass Liebe nicht endet, weil ein Körper geht.

Manche Menschen spüren durch diese Verluste 
zum ersten Mal eine Ahnung davon, 
dass sie eines Tages selbst die Letzten sein könnten. 

Der Letzte in einer Linie. 
Der letzte Zeuge bestimmter Erinnerungen. 
Derjenige, der Abschiede nicht nur erlebt, sondern weiterträgt.

Diese Erkenntnis ist schwer. 
Aber sie ist auch klärend.

Die Trauer um Tiere wird oft kleingeredet. 
„Es war doch nur ein Tier.“
Doch wer so spricht, hat nicht verstanden, worum es geht.

Es geht nicht um Vergleichbarkeit.
Es geht um Bindung.

Was bleibt?
Vielleicht ist das Vermächtnis dieser Abschiede kein Trost, 
sondern etwas Ehrlicheres:
Die Fähigkeit, loszulassen, ohne zu verhärten.
Die Fähigkeit zu trauern, ohne sich zu verschließen.
Die Fähigkeit wieder zu lieben, obwohl man weiß, wie es endet.

Das ist keine Schwäche.
Das ist gelebte Menschlichkeit.

So groß ist die Liebe.

Manche Abschiede werden uns von Wesen anvertraut, 
die ohne Worte lieben.. 

Über das Altern, das Trauern und die Kunst, weiter zu leben

11/3/2026

 
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Es gibt ein Alter im Leben, in dem das Trauern eine neue Gestalt annimmt.

Zuerst geschieht dies leise. 
Aber mit den Jahren wird die neue Gestalt der Trauer 
unüberhörbar und unvermeidlich.

Dauerhaft, wie ein Grundton, der ab jetzt selbstverständlich mitschwingt. 
Für viele Frauen um die sechzig ist dies eine Zeit, in der sich Verluste überlagern.
Der Verlust von Menschen.
Der Verlust von Rollen.
Der Verlust von Selbstbildern.
Der Verlust von Zukunftsentwürfen, die einst selbstverständlich schienen.

Altern ist kein einzelnes Ereignis. 
Es ist ein fortgesetzter Abschied.

Unüberhörbar und unvermeidlich.

„Alles, was wir lieben, wird entweder zu einer Erinnerung oder zu einer Wunde.“ 
Jorge Luis Borges

Es gibt eine Trauer, die selten ausgesprochen wird:
die Trauer um die eigene Jugend.


Nicht nur um ein glatteres Gesicht oder einen beweglicheren Körper, 
sondern um das Gefühl von Möglichkeiten. 
Um das Vertrauen, dass „noch alles offen“ ist. 
Um die Selbstverständlichkeit, 
gebraucht zu werden, 
begehrt zu sein, 
erwartet zu werden.

Diese Trauer ist kein Zeichen von Eitelkeit. 
Sie ist ein Zeichen von Bewusstsein. 
Wer trauert, hat wahrgenommen, dass etwas wirklich da war.

Manche Frauen betrauern den Verlust eines Lebenspartners. 
Andere trauern um eine Ehe, die innerlich längst geendet hat, 
während sie äußerlich noch besteht. 

Wieder andere stehen in Wohnungen, die plötzlich zu groß geworden sind, 
seit die Kinder ausgezogen sind und spüren eine Leere, 
die mehr ist als fehlende Geräusche.

Auch das ist Trauer:
Nicht nur um Menschen, die gegangen sind.
Sondern um Nähe, die sich verändert hat.
Um Aufgaben, die nicht mehr gebraucht werden.
Um eine Rolle, die man gut konnte.
Und die vorbei ist.
Vorbei wie ein Theaterstück.
Man kann in den Aushängen lesen, was als nächstes gespielt wird.
Aber das will man nicht.
Man möchte die alte Rolle zurück.
Aber so funktioniert das nicht.
Jedenfalls nicht in diesem Leben.

Unüberhörbar und unvermeidlich.

 Die vielleicht leiseste, aber tiefste Trauer ist jene um das ungelebte Leben.

Um Entscheidungen, die man aus Pflicht getroffen hat.
Um Mut, den man damals nicht hatte.
Um Träume, die man verschoben hat 
und die nun still geworden sind.

Was hilft?
Nicht das Wegdrücken, sondern das Würdigen.
Das Wertschätzen, was war.
Dankbarkeit.
Das Unüberhörbare und Unvermeidliche annehmen.
Schwierig.
Aber so funktioniert das nun mal.
In diesem Leben.

Trauer in jenem Lebensabschnitt verlangt keine schnellen Lösungen.
Sie verlangt etwas anderes: Anerkennung.

Dass man sich erlaubt zu sagen: Ja, das tut weh.
Dass man aufhört, sich selbst dafür zu tadeln.
Dass man versteht, Trauer ist kein Zeichen von Schwäche, 
sondern von Tiefe.


Viele Frauen entdecken in dieser Phase etwas Neues,
eine andere Form von Freiheit. 
Eine, die nicht mehr beweisen muss. 
Eine, die leiser ist, aber klarer. 
Eine, die nicht aus Hoffnung besteht, 
sondern aus Wahrheit.

Altern bedeutet nicht, weniger zu werden.
Es bedeutet, anders zu werden.

Wie ein Schwan, der jetzt aufrechter geht,
obwohl er gelebte Zeit auf 
seinem Rücken trägt.
Er geht weiter.
Er schwimmt weiter.
Er fliegt weiter.
Weil er weiß, dass ihn das Leben immer tragen wird.
Weil er weiß, dass er nicht untergehen 
wird,
​nur weil er schon viele warme Sommer erlebt hat.


Wer den Mut hat, seine Trauer nicht zu verdrängen, 
sondern ihr zuzuhören, entdeckt oft etwas Unerwartetes: 
eine neue, ruhigere Liebe zum eigenen Leben. 

Vielleicht ist das die Aufgabe dieser Jahre:
nicht festzuhalten, sondern würdevoll loszulassen 
und sich dabei selbst nicht zu verlieren.

Wie ein Schwan, der jetzt aufrechter geht,
obwohl er gelebte Zeit auf 
seinem Rücken trägt.


    Inés Witt
    Singer/Songwriter
    ​
    "Die Kreativität
    ​in sich zu sehen,
    ist eine Kunst -
    wer aus ihr schöpft,
    ist ein Künstler."
    Wilma Eudenbach



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